Selbstverlegte EBooks: ein Glücksfall für Krimifans

Veröffentlicht: September 26, 2011 von Ingrid Glomp in Buchvorstellungen, Randnotizen

Ich habe gerade meinen ersten Roman veröffentlicht, den Thriller OHNE SKRUPEL, und zwar ohne Verlag als Kindle-EBook.

Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft: nämlich in der so renommierter Autoren wie Barry Eisler, J.A. Konrath, Lee Goldberg, C.J. Lyons und Lawrence Block. Wir haben zweierlei gemeinsam: Wir schreiben Krimis und wir haben Bücher selbst veröffentlicht, und zwar in erster Linie (aber nicht nur) als E-Books für Kindle.

Woran liegt das? Vielleicht sind mir diese Autoren nur deshalb aufgefallen, weil ich Krimis am liebsten lese und weil ich Krimis schreibe. Ich glaube aber auch, dass Krimis und Genre-Literatur ganz allgemein sich besonders für diese Art des Veröffentlichens eignen.

Denn Krimi/Genre-Leser:

lesen viel,

können es kaum erwarten, bis das nächste Buch ihrer Lieblingsautorin, ihres Lieblingsautors erscheint (das kann bei etablierten Verlagen dauern, selbst wenn das Buch längst geschrieben ist),

möchten, wenn sie einen neuen Autor, eine neue Autorin entdeckt haben, der/die ihnen gefällt, am liebsten sofort alle Bücher kaufen und lesen (inklusive der Backlist), was bei „Verlags“Büchern oft nicht möglich ist,

hätten den Nachschub am liebsten sofort (und nicht erst einen Tag oder gar mehrere später),

geben nicht so viel auf Kritikermeinungen und Bestsellerlisten (höchstens als Inspiration), sondern mehr auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten und anderen Fans des Genres (etwa Amazons „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch …“),

und sie probieren auch manchmal auf Verdacht eine neue Autorin/einen neuen Autor aus, und wenn ihnen gefällt, was sie lesen, s. Punkt 2, 3 und 4.

Woher ich so viel über das Leseverhalten von Krimifans weiß? Ich schließe von mir auf andere bzw. von anderen Krimilesern, die ich kenne, auf die Allgemeinheit.

Mit E-Books kann man sofort (innerhalb von Minuten), und oft günstiger, alle Bücher eines Autors/einer Autorin kaufen. Gut, der letzte Punkt ist noch Zukunftsmusik, aber das Wort vergriffen wird, das prophezeie ich, im Zusammenhang mit Büchern bald aussterben. Schon gehen Autoren wie Lee Goldberg, C.J. Lyons und Lawrence Block daran, ältere Bücher, deren Rechte an sie zurückgefallen sind, als EBooks herauszubringen.

Die EBooks der Verlage sind häufig zwar kaum preiswerter als die gedruckten. Veröffentlichen Autoren ihre Bücher jedoch selbst bei Amazon, so bekommen sie 70 % des Nettopreises ausgezahlt und damit ein Vielfaches dessen, was ein Verlag ihnen gibt – und die Bezahlung erfolgt schneller. Wir können es uns also leisten, Bücher besonders günstig anzubieten und verdienen trotzdem mehr als bei einem „traditionellen“ Buch. Eine Win-Win-Situation für Autoren und Leser.

Sollten Sie ein Fan von Kurzkrimis sein, können Sie sich ebenfalls freuen. Ich denke, dass Autoren zunehmend Kurzkrimisammlungen online anbieten werden. Die verkaufen sich zwar nicht so gut wie Romane, aber da uns Autoren beim Veröffentlichen keine Kosten entstehen, lohnt es sich für uns auch solche Anthologien unserer Geschichten anzubieten. (Geringe und überschaubare Kosten entstehen höchstens, falls man für das Coverdesign oder das Lektorat jemanden beauftragt.)

Verlagsunabhängige Autoren wie ich verkaufen ihre EBooks außerdem häufig ohne den Kopierschutz DRM. Das heißt, die Käufer können die Dateien an ihre jeweiligen Geräte anpassen oder das Format umwandeln (etwa von mobi (Kindle) zu epub). Natürlich könnten sie auch die Bücher raubkopieren und weitergeben (doch davor schützt auch DRM nicht) und ich glaube an das Gute im Menschen – und daran, dass nur wenige motiviert sind, so etwas zu tun, wenn die Bücher so preisgünstig sind (s. o.).

Zwar können Sie nicht wie bei einem gedruckten Buch im Laden darin blättern, Sie können sich jedoch von EBooks etwa bei Amazon kostenlose Leseproben herunterladen. Eine solche Leseprobe umfasst bei meinem Thriller zum Beispiel mehrere Kapitel.

Und schließlich bieten EBooks gleich welcher Art einen Vorteil, der sich auch, aber nicht nur im Urlaub bemerkbar macht. Man kann eine ganze Bibliothek mit sich herumschleppen, die nicht mehr wiegt als ein Lesegerät oder ein Smartphone oder, in meinem Fall, ein iPod. (Nie wieder Langeweile im Zug oder in der Warteschlange bei der Post!)

Neugierig? Dann probieren Sie es doch einfach einmal mit einem meiner Bücher aus:

Oder mit den Kurzkrimisammlungen A bis Z-Ermittlungen oder Kommissar Kolm löst jeden Fall.

Sie haben kein Kindle-Gerät? Macht nichts. Es gibt kostenlose Kindle Lese-Apps für PC, iPad, iPhone und iPod touch, Android und Mac.

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Kommentare
  1. nantik sagt:

    Mit Verlaub, auf vom eigenen Leseverhalten auf das anderer Menschen zu schließen, ist doch schon ziemlich vermessen. Und kurzsichtig, weil Sie sich einige Qualitätsfacetten nehmen. Es gibt nämlich auch Krimileser, denen es nicht wichtig ist, dass man möglichst schnell einen neuen Krimi des Lieblingsschriftstellers lesen kann. So wie ich. Ich weiß, dass man Qualität nicht am laufenden Band erzeugen kann. Ich möchte nicht vom Mainstream überollt werden, sondern Blutjuwelen lesen, die meine Aufmerksamkeit auch verdienen, weil sie nicht nur eine spannende Story bieten, sondern auch einen guten Schreibstil und Themen, die einen Mehrwert haben.
    Es ist ja schön, dass inzwischen jeder Mensch dank Kindle und Co. ein eigenes Buch veröffentlichen kann. Aber ein Verlag verlegt ja nicht nur. Was ist zum Beispiel mit dem Lektorat? Und da geht es nicht nur um korrekte Rechtschreibung und Grammatik (vor allem Kommasetzung!). Da wird auch noch am Aufbau gefeilt, verdichtet, gekürzt. Kurzum: verbessert. Kein Schriftsteller sollte so eitel sein und sagen, dass man da per se ein Meisterwerk hätte, das die Masse schon lesen wird. Krimis liegen schwer im Trend, keine Frage. Umso wichtiger ist es, nicht auf das schnelle Geld zu achten, sondern auf Qualität zu achten. Es ist schon schlimm genug, dass die Verlage oft grottenschlechte Krimis veröffentlichen, weil da der Rubel rollt. Das muss ich mir jetzt nicht auch noch von Schriftstellern antun, die keinen Verlag gefunden haben, der sie verlegen möchte…

    • Ingrid Glomp sagt:

      @nantik Das ist aber schade, dass Sie automatisch davon ausgehen, dass mein Roman schlecht ist, weil nicht in einem Verlag erschienen. (Den kein Verlag abgelehnt hat, weil ich keinen gefragt habe.)
      Ist dann auch mein Schreibratgeber, den ich selbst verlegt habe, schlecht, sein Nachfolger, der bei C. H. Beck erscheint und kaum lektoriert wurde/werden musste, gut?
      Und wie ist das mit den Krimis der von mir genannten Autoren und ihrer Backlist? Mit Verlag waren sie gut, jetzt sind sie schlecht? Und ein neuer Barry Eisler ist Mist, weil nicht von einem Verlagslektor überarbeitet, sondern möglicherweise von einem Freelancer? Ich weiß nicht sicher, ob Eisler einen Lektor beauftragt hat. Aber es gibt Indie-Autoren, die das tun.
      Ist es nicht auch eine Chance, dass manche Autoren sich jetzt die 40 Absagen ersparen können (die auch so mancher später anerkannte Schriftsteller kassiert), denn, schwer vorstellbar, aber so ist es, auch Verlage und Lektoren können sich irren. Oder dass Autoren Bücher veröffentlichen können, die nicht problemlos in eine bestimmte Rubrik oder ein bestimmtes Genre passen, zu kurz oder zu lang sind und deshalb „schwer verkäuflich“?
      Ich sehe da gar keine Probleme, denn ich denke, ob mit oder ohne Verlag. Leser werden jeweils die Bücher finden, die ihnen zusagen. Sie die, die Ihnen gefallen, ich die, die mir gefallen, und Frau X und Herr Y wieder andere.

      • nantik sagt:

        Ich habe nicht behauptet, dass alles Selbstverlegte automatisch schlecht ist. Aber die Qualitätssicherung ist nicht gewährleistet. Ich habe einfach schon zu oft Leseproben bekommen, in denen es vor Rechtschreibfehlern und Co. wimmelte. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber der Großteil dieser Selbstveröffentlichungen sind qualitativ nun einmal nicht gut. Und das kann selbst bei ansonsten etablierten Autoren vorkommen, da sie hier niemanden haben, der noch einmal kontrolliert.
        Darum ging es mir eigentlich gar nicht. Ich habe vorwiegend Ihre populistische Porpaganda angeprangert. Nur weil Sie selbst begeistert Krimis lesen, können Sie noch lange nicht auf ein allgemeines Leseverhalten schließen. Da benötigen Sie schon eine fundierte Umfrage, die nicht nur den Bekanntenkreis einschließt. 😉

  2. […] Eigene Wege finden Es gibt trotz allem auch Verlage (vor allem kleinere), die bereit sind, den Mainstream zu verlassen und ungewöhnliche Literatur zu veröffentlichen. Die gilt es, zu finden, wenn man sich nicht strikt an ein Genre halten will oder kann. Abgesehen vom traditionellen Weg der Veröffentlichung über einen Verlag gibt es allerdings zunehmend Möglichkeiten, sein Werk unabhängig, z.B. als eBook, herauszubringen. Einen hilfreichen Artikel zu diesem Weg hat Ingrid Glomp verfasst, man kann ihn hier lesen. […]

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